Land vernachlässigt Ausbau der Windenergie

Landesverband Erneuerbare Energien fordert mehr Windeignungsgebiete

Schwerin, 13.03.2019. Der Landesverband Erneuerbare Energien Mecklenburg-Vorpommern e.V. (LEE MV) kritisiert das deutlich nachlassende Engagement des Landes beim Ausbau der Windenergie. „Das Land hinkt immer weiter hinter seinen gesteckten Zielen hinterher. Die neu installierte Leistung ist in den vergangenen drei Jahren stetig gesunken und hat 2018 mit 127 Megawatt ihren bisher tiefsten Punkt erreicht. Das geplante jährliche Wachstum liegt aber nach dem Energiepolitischen Konzept bei 300 Megawatt“, erklärte Johann-Georg Jaeger in Schwerin.

Die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig müsse Klimaschutz und Energiewende endlich wieder zur Chefsache machen und in diesem Zusammenhang die inzwischen veraltete Energiekonzeption des Landes aus dem Jahr 2015 den aktuellen Klimaschutzzielen anpassen. „Wer die Energiewende ernsthaft vorantreiben und Kohlekraftwerke ersetzen will, muss jetzt dringend handeln“, appellierte der Vorsitzende des LEE MV an die politisch Verantwortlichen.

Damit die Energiewende geschafft werden kann, muss aus Sicht des LEE MV die Windenergie etwa die Hälfte der künftig erforderlichen erneuerbaren Energien bereit stellen. Wichtig sei daher vor allem die Ausweisung neuer Flächen für Windenergieanlagen. Das bedeute mindestens 1,2 Prozent der Landesfläche bis 2025 und 2 Prozent bis 2040. „Davon sind wir noch weit entfernt. Während andere Bundesländer bereits bis zu 2 Prozent ihrer Fläche als Windeignungsgebiete ausgewiesen haben, liegt dieser Wert in Mecklenburg-Vorpommern bei nur 0,6 Prozent“, kritisierte Jaeger.

Er forderte, die laufenden Ausweisungen neuer Windeignungsgebiete bis spätestens 2021 zum Abschluss zu bringen, auch wenn diese nur für einen geringfügigen Zuwachs des Flächenangebots von etwa 0,6 auf 0,8 Prozent sorgen werden. „Parallel muss der im Koalitionsvertrag von 2016 versprochene Windenergieerlass erstellt werden, um verlässliche und ausreichende Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windenergie zu schaffen“, so Jaeger.




LEE-MV wählt neuen Vorstand

v.l. Rudolf Borchert (Ehrenvorsitzender), Johan-Georg Jaeger (Vorsitzender)

Der LEE-MV hat auf der Mitgliederversammlung am 15 November Johann-Georg Jaeger als neuen Landesvorsitzenden gewählt. Rudolf Borchert scheidet aus persönlichen Gründen aus und wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Rudolf Borchert: „Ich freue mich, dass Johann-Georg Jaeger jetzt das Ruder übernimmt. Er verfügt über breite Kenntnis in allen Bereichen der Erneuerbaren Energien, landespolitische Erfahrung und ist u.a. Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Rostock.“

Johann-Georg Jaeger: „Es gebührt großen Dank an Rudolf Borchert . Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der LEE-MV sich in knapp 2 Jahren zu einem der wichtigsten Akteure für die Energiewende in MV entwickelt hat. Wir freuen uns, dass er uns als Ehrenvorsitzender weiter unterstützen wird. Mit dem Ehrenvorsitz möchten wir die Verdienste von Rudolf Borchert für den LEE-MV würdigen, aber auch sein langjähriges Engagement als Ansprechpartner für alle Akteure der Energiewende und Vors. des Energieausschusses im Landtag.“

Rudolf Borchert sieht die Ausweisung von ausreichend Eignungsgebieten für die Windenergie auch weiterhin als zentrale Herausforderung der Energiewende in MV „Wir brauchen 1,2 % der Landesfläche als Windeignungsgebiete bis 2025 und 2 % bis 2040. Mit zu erwartenden 0,8 % liegen die aktuellen Entwürfe für die Regionalplanung weit darunter. Johann-Georg Jaeger fordert, dass die Ministerpräsidentin die Energiewende wieder zur Chefsache macht und das Energieministerium,die Landesenergie – und Klimaschutzagentur sowie die Genehmigungsbehörden mit deutlich mehr Personal ausstattet. Die Energiewende ist eine zentrale Herausforderung und der Klimawandel wird die Zukunft unserer Kinder prägen, wenn wir heute nicht entschlossen handeln. Aus diesem Grund sollte die Ministerpräsidentin die Initiative übernehmen, um bei der geplanten Verfassungsänderung auch den Klimaschutz mit aufzunehmen. Dieses Staatsziel Klimaschutz sollte dann mit einem Klimaschutzgesetz noch in dieser Legislaturperiode untersetzt werden.

Auch in MV decken wir erst ein Drittel unserer Energie aus Erneuerbaren Energien. Auch wenn wir im Strombereich schon sehr gut sind, decken Erneuerbare Energien nur etwa 5 % des Bedarfs im Verkehr und 10 % des Wärmebedarfs. Wir brauchen daher einen weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien und eine effiziente Verknüpfung von Stromerzeugung mit den Sektoren Verkehr und Wärme. Der LEE-MV bereitet daher mit zahlreichen Partnern ein Projekt zur Sektorenkopplung vor.




Ohne Bioenergie keine Energiewende in MV

Der LEE-MV fordert eine bessere Nutzung der Bioenergiepotentiale.

Der Landesverband Erneuerbare Energie M-V fordert eine 100% Umstellung auf erneuerbare Energien in allen Bereichen in M-V bis 2040. Dieses bedarf eine optimale Ausnutzung aller erneuerbaren Potentiale im Land. Die Arbeitsgruppe „Bioenergie“ des LEE-MV hat deshalb eine Konzeption „Zukunft der Bioenergie in MV“ erarbeitet, die die Situation, Perspektive und Strategie darstellt, um die erheblichen Bioenergiepotentiale in unserem Land zu erschließen und optimal auszuschöpfen.

„Die Bioenergie ist für die Energiewende unverzichtbar! Sie ist mit 25% der bedeutsamste erneuerbare Primärenergieträger im Land. Insgesamt nutzten wir 5,3 Mrd. kWh Bioenergie als Endenergie für Strom, Wärme und den Verkehr. Damit ist sie der drittwichtigste Energieträger der Stromerzeugung nach Wind und Kohle sowie der wichtigste erneuerbare Energieträger in der Wärmeerzeugung und der Mobilität und trägt damit maßgeblich zur Vermeidung von Treibhausgasen und zum Klimaschutz bei. Doch bei einem Bioenergiepotential von 20-33 Mrd. kWh. in unserem Land werden die vorhandenen Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft. Im Gegenteil – die Nutzung ist rückläufig.“ betont Maik Orth, Sprecher der Regionalgruppe des Fachverbandes Biogas e.V. und Mitglied der Arbeitsgruppe Bioenergie. „Die Konzeption zeigt, dass es in unserem Land bereits eine Reihe von Standorten gibt, an denen Bioenergie in einer Weise erzeugt und genutzt wird, die beispielhaft ist. Hierauf gilt es aufzubauen und das gute Potential der Bioenergieanlagen zu nutzen, um bei einer weiteren Steigerung des Wind- und Solarenergieanteils im Stromnetz flexibel und netzdienlich agieren und die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität koppeln zu können.“

Die AG „Bioenergie“ des LEE sieht Chancen auf eine Verdopplung des Bioenergieanteils auf insgesamt 10,6 Mrd. kWh bis 2040 um das Ziel 100% Erneuerbare Energien in allen Verbrauchssektoren in MV zu erreichen. Vor allem für den Wärme- und Verkehrssektor gilt es die noch nicht genutzten Potentiale zu erschließen. Insbesondere Biomethan kann zur Dekarbonisierung in allen Sektoren beitragen.

Die energetische Nutzung biogener Rohstoffe stärkt besonders in strukturschwachen Regionen die Wertschöpfung und schafft bzw. sichert dort Arbeitsplätze. Studien zeigen, dass eine Wertschöpfung in der Bioenergienutzung von 90 Mio. EUR und fast 6.000 Arbeitsplätze erreicht wurden. Von großer Bedeutung in unserem Land sind nicht zuletzt auch die Ökosystemdienstleistungen, die im Zusammenhang mit dem Anbau von Energiepflanzen verbunden sein können z.B. durch die Erweiterung der Fruchtfolgen, Grünlandnutzung, Erhalt von Kulturlandschaft, Biodiversität, Bienen und anderen Insekten.

Rudolf Borchert, Landesvorsitzender des LEE fordert: „Damit die Bioenergie auch zukünftig ein wichtiger Baustein der Energiewende sein kann, muss die Politik dafür schnellst möglich die Rahmenbedingungen verbessern. Falls das nicht geschieht besteht die Gefahr das sich die Kapazitäten der Biogasanlagen in MV in den nächsten Jahren halbiert.“

Deshalb enthält die Konzeption entsprechende Forderungen an die Bundes- und Landespolitik.

Der LEE stellt an die Landespolitik folgende konkreten Forderungen:

  • Entwicklung einer Bioenergiestrategie für M-V auf Grundlage dieser Konzeption, die bei veränderten Rahmenbedingungen durch das EEG das Ziel hat, den Bestand der Anlagekapazitäten als unverzichtbaren Bestandteil der Energiewende zu erhalten, insbesondere als Regelenergie für den Strombereich, als regionale Wärmequelle und für die Sektorenkopplung,
  • Schaffung von Rahmenbedingungen zur Absicherung der Teilhabe der Bevölkerung im ländlichen Raum und zur Verbesserung der regionalen Wertschöpfung bei (Bio-) Energieprojekten. Bessere Verknüpfung von ELER-Förderung und Förderung der Erneuerbaren Energien im ländlichen Raum, z.B. Coaching Energiekommunen,
  • Aufnahme der Umstellungsförderung (Investitionen für die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energien) in die ELER-Förderung in der nächsten Förderperiode (ab2021)

Konzeption Zukunft der Bioenergie

Hier können Sie die Konzeption herunterladen

Download

Pressemitteilung

Hier können Sie die Pressemitteilung herunterladen

Download